Vorwort
„Im Christentum ist Aufklärung Religion geworden und nicht mehr ihr Gegenspieler.“[1] Dieser Satz, der auch den Einband dieses Programmheftes ziert, ist einer jener spektakulären Spitzensätze, die sich immer wieder in den theologischen Werken Joseph Ratzingers / Papst Benedikts XVI. finden. Ratzinger unterstreicht damit nicht nur die Vernünftigkeit des christlichen Glaubens, wie vor allem katholische Theologie sie immer vorausgesetzt hat. Er rückt den christlichen Glauben vielmehr ganz bewusst in den Zusammenhang der Aufklärung – aufklärerischen Denkens in der älteren Philosophie, aber eben auch der neuzeitlichen Aufklärung, die sich historisch weithin in Abgrenzung von Glaube und Kirche entwickelt hat. Wenn damit natürlich auch noch bei weitem keine Aufarbeitung des problematischen Verhältnisses zwischen Christentum und neuzeitlicher Aufklärung geleistet ist, gibt Ratzinger hier doch einen deutlichen Hinweis, dass der historische Gegensatz zwei Wege auseinandergebracht hat, die eigentlich zusammengehören; oder, mit den Worten von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch in anderem Zusammenhang, „dass die Konfrontation zwischen neuzeitlich-rationaler Säkularität und Christentum einen unnötigen und tragischen Irrweg darstellt“.[2]
Vor allem kirchliche Bildungsarbeit muss hellhörig werden, wenn christlicher Glaube so mit „Aufklärung“ identifiziert wird, die ja ihrerseits in ihrem informierenden, orientierenden und emanzipatorischen Charakter das Wesen von Bildung ausmacht. Grund genug, die Chance zu nutzen, zum historischen Besuch Papst Benedikts XVI. am 24. und 25. September 2011 in Freiburg dem reichen und ergiebigen theologischen Werk des Papstes neue und ganze Aufmerksamkeit zu schenken. So legt das neue Programm des Bildungszentrums Karlsruhe zum Herbst und Winter 2011/2012 seinen Schwerpunkt auf die Beschäftigung mit dem Denken Joseph Ratzingers / Papst Benedikts XVI. – etwa im Theologischen Gesprächskreis oder im Lektürekurs Latein, in dem die Enzykliken des Papstes in der amtlichen lateinischen Originalsprache gelesen werden.
Dieses Programmheft erscheint erstmals in einer neuen Gestalt, die uns von der Diözesanleitung des Bildungswerks in Freiburg im Interesse der Vereinheitlichung aller Programme im Bildungswerk vorgegeben wurde.
Ich wünsche den Angeboten dieses Programms, dass sie auf ein breites Interesse stoßen, vor allem aber auch, dass sie zahlreiche Anlässe bieten, Neues zu entdecken und sich so im eigentlichen Sinn weiter zu bilden.
Karlsruhe, im August 2011
Dipl.-Theol. Tobias Licht
Leiter des Bildungszentrums Karlsruhe
[1] Joseph Kardinal Ratzinger, Der angezweifelte Wahrheitsanspruch. Die Krise des Christentums am Beginn des dritten Jahrtausends; in: Paolo Flores d’Arcais / Joseph Ratzinger, Gibt es Gott? Wahrheit, Glaube, Atheismus, Berlin (Wagenbach) 22006, 7-18, 9.
[2] Vgl. hierzu auch meinen Beitrag „Glaube – Wahrheit – Vernunft. Zur Rationalität des Christlichen im Denken Joseph Ratzingers / Papst Benedikts XVI.“ in dem anlässlich des Papstbesuchs vom Erzbischöflichen Seelsorgeamt Freiburg veröffentlichten Band „‘Wo Gott ist, da ist Zukunft‘. Zentrale Themen im Denken von Joseph Ratzinger / Benedikt XVI., Freiburg 2011, 22-34. Das Buch – vgl. auch die Anzeige S. 60 – liegt im Foyer des Bildungszentrums zur Einsichtnahme und Lektüre aus und ist beim Bildungszentrum wie im Buchhandel zum Preis von 7,95 € erhältlich (ISBN 978-3-943177-01-5).